Jährlich bearbeitet die Homesharing-Plattform Airbnb Tausende von Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe, von denen viele mit einem Schiedsverfahren und Geheimhaltungsvereinbarungen enden. Bislang waren auch Angestellte von Airbnb vertraglich gebunden, auf Gerichtsverfahren zu verzichten und sich bei sexuellen Übergriffen Schiedsverfahren zu unterziehen. Doch 2018, auf der Höhe der Time’s Up- und der #MeToo-Bewegung, war Airbnb nebst Google, Apple, Uber und eBay eines der Tech-Unternehmen, die verprachen, ihre obligatorischen Schlichtungsklauseln abzuschaffen. Im Jahr 2018 wurde die Schlichtungspflicht für Fälle von Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgehoben. Bei der obligatorischen Schlichtung handelt es sich um eine Unternehmenspraxis, bei der Mitarbeiter auf ihr Recht verzichten, bestimmte Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber vor Gericht zu bringen, und stattdessen die Angelegenheiten privat regeln müssen.

Das richtige tun

"Vorfälle von sexueller Gewalt sind bei Airbnb extrem selten", schreibt das Unternehmen in einer Erklärung vom 13.08.2021, "aber in diesen seltenen Fällen arbeitet das hochqualifizierte Sicherheitsteam von Airbnb mit den Überlebenden zusammen, um ihr Wohlbefinden in den Vordergrund zu stellen. Dieses Team hat eine Ausbildung in traumainformierter Methodik absolviert und legt grossen Wert darauf, Überlebende in ihrem Heilungsprozess zu unterstützen und zu stärken. Viele der Sicherheitsrichtlinien und Arbeitsabläufe der Airbnb-Community wurden durch den Rat von Expertenorganisationen wie Vital Voices beeinflusst."

Das Home-Sharing-Unternehmen erklärte weiter, es habe bereits seit 2019 aufgehört Gerichte zu bitten, bei Fällen von sexueller Belästigung und Übergriffen Vergleichsverfahren durchzusetzen, und werde dies auch weiterhin tun, bis der Standard in den Nutzungsbedingungen der App im Herbst kodifiziert sei: "Wir glauben, dass Überlebende in der Lage sein sollten, ihre Ansprüche in dem für sie besten Forum geltend zu machen".

"Um Vertrauen aufzubauen, ist es unerlässlich, in den seltenen Fällen, in denen etwas schief läuft, das Richtige zu tun", so Airbnb. Fragt sich nur: Warum erst jetzt?