Basel, 22.02.2007, akte/ Das Projekt einer Urlaubsanlage mit zwei Luxushotels, einem Golfplatz und 480 Holzhäuser nur 6 Kilometer oberhalb der Viktoriafälle hat die Umweltschützer international auf den Plan gerufen. Die Anlage wäre in einem unerschlossenen Teil des sambischen Nationalparks Mosi-O-Tunya (donnernde Wasser) zu liegen gekommen: Ein wichtiger Durchgangsort für die Elefantenherden auf ihrem Weg von Sambia nach Simbabwe, die Heimat bedrohter Nashornarten und der einzige Ort, wo die einheimische Bevölkerung gratis an den Sambesi-Fluss kommt, um einen Blick auf die Viktoriafälle – eines der sieben Weltwunder und ein Weltnaturerbe – zu werfen.
Die sambische Regierung hatte letztes Jahr der südafrikanischen Firma für Luxusanlagen Legacy Holding in einem intransparenten Verfahren 220 Hektar Land zu einem Spottpreis für ihr Vorhaben zur Verfügung gestellt. In der Hoffnung auf die vom Investor versprochenen 2’000 Arbeitsplätze sprach sich die lokale Bevölkerung für das Projekt aus, ebenso die Gewerkschaft der Hotelangestellten. Lokale Umweltschutzorganisationen und engagierte Einzelpersonen legten dagegen Einsprache ein. Verschiedene Safaritouranbieter, welche Ökologie und Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben haben, beschlossen gar den Boykott von Hotels der Legacy Gruppe.
Die Entscheidung in diesem Kräftemessen brachte die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, UNESCO: Sie drohte Sambia und Simbabwe, den Viktoriafällen den Status eines Weltnaturerbes zu entziehen, wenn die Regierungen nicht sofort ein Moratorium auf jegliche touristischen Ausbauprojekte aussprechen würden, bis ein detaillierter Managementplan für das Naturschutzgebiet vorliege. Die Regierungen der beiden Länder haben dafür bis im Juni Zeit, danach trifft sich die UNESCO zur Besprechung des Weltkultur- und Naturerbes und entscheidet über deren weitere Zukunft. Das Moratorium ist jetzt in Kraft.

Bereits 2002 hatten Simbabwe und Sambia ein Abkommen mit der UNESCO zum Management des Weltnaturerbes unterzeichnet, welches touristische Anlagen in einem Umkreis von 30 Kilometern rund um die Viktoriafälle verbietet. Trotzdem wurden seither auf simbabwischer wie auf sambischer Seite illegal Hotels errichtet. Mit Folgen, wie der lokale Umweltschützer und Ranger Benjamin Mibenge beklagt: „Der Wasserzyklus ist durch den Verbrauch in den Hotels gestört, das Wasser verschmutzt, die Ursprünglichkeit verändert.“
Das Megaprojekt von Legacy Holding hat nun den Bogen überspannt. Es verstösst nicht nur gegen das Management-Abkommen, sondern auch gegen die Konvention zum Schutz des Weltkultur- und Weltnaturerbes, die afrikanische Konvention zum Schutz der Natur und der natürlichen Ressourcen sowie das Biodiversitätsabkommen.

Dennoch erstaunt die Entwicklung wenig: Der sambische Präsident Levy Mwanawasa macht sich mit einem ausgesprochen marktorientierten Ansatz bei westlichen Geldgebern beliebt. Er bezeichnet den Tourismus in dem Land, wo zwei Drittel der Bevölkerung mit einem US Dollar täglich oder weniger lebt und wo es nur 400’000 formelle Arbeitsplätze für 10 Millionen Menschen gibt, als Schlüsselsektor für Entwicklung. Damit geht er auch einig mit der Analyse der Weltbank von 2005, Sambia schlage zu wenig Kapital aus seinen natürlichen Ressourcen. Bis 2010 möchte Sambia die jährliche Besucherzahl zu den Viktoriafällen auf ein Million verdoppeln. Selbst die Umweltorganisationen, die gegen das Legacy-Projekt angetreten sind, argumentieren, dass der Bau einer touristischen Anlage, die Arbeitsplätze schaffe, durchaus erwünscht sei, aber eben ausserhalb des Umkreises von 30 Kilometern von den Viktoriafällen.
Quellen: Moratorium spreads, The Herald (Zimbawe) vom 23.+ 24.01.2007 www.herald.co.zw; Victoria Falls auf english.people.com (Xinhua News Agency www.xinhuanet.com/english/) vom 15.11.2006 und vom 23.01.2007; Zimbabwe auf: www.alertnet.org, 6.12.2006; Livingstone’s Legacy in Lowdown Zambia vom Dezember 2006; Call for hotel group boycott auf www.travelnewswire.com, 4.12.2006; Zambia auf www.irinnews.org, 14. 11.2006;