Der Ansatz der Flugbranche: Technik statt weniger Fliegen

Die Flugbranche – angeführt vom weltweiten Airline-Dachverband IATA – bekennt sich öffentlich zum Ziel Netto Null bis 2050. Dieses Ziel wurde 2021 beschlossen und unter dem Programm Fly Net Zero kommuniziert.

Doch die Branche legt keine verbindlichen Zwischenziele fest, und der Weg zu Netto Null basiert fast vollständig auf technischen Lösungen, SAF und Offsetting.

IATA schätzt, dass der Aufbau der erforderlichen Produktionskapazitäten für e-SAF über einen Zeitraum von 30 Jahren jedes Jahr mindestens 128 Milliarden US-Dollar kosten würde – insgesamt rund 3,8 Billionen US-Dollar.

Staatliche Unterstützung

Nicht eingerechnet ist dabei der enorme zusätzliche Ausbau erneuerbarer Elektrizitätsproduktion. Ohne starke politische Unterstützung zeigt die Wirtschaft bislang wenig Bereitschaft, diese Investitionen in Angriff zu nehmen.

Nachfrage- oder Angebotsbegrenzungen, die das Flugwachstum tatsächlich reduzieren würden (z. B. Ticketabgaben, Kerosinsteuern, Obergrenzen für Flüge), schliesst die Branche kategorisch aus. Stattdessen fordert sie massive staatliche Unterstützung, insbesondere für die SAF-Entwicklung.

Warum setzt die Flugbranche so stark auf technische Lösungen – und so wenig auf echte Emissionsreduktionen?

Weil die Branche vermeiden möchte, dass weniger geflogen wird. Mit Fly Net Zero bekennt sich die IATA zwar zu Netto Null, lehnt aber jede Form von Nachfragebegrenzung oder Abgaben ab, insbesondere jene, die das Fliegen verteuern könnten.

Stattdessen setzt sie auf Lösungen, die das Wachstum nicht bremsen – wie zukünftige Flugzeugtechnologien, SAF und grosse Mengen an CO₂-Kompensation. Gleichzeitig fordert sie staatliche Gelder, um diese technischen Lösungen zu finanzieren.

Das Problem: Viele dieser Technologien sind unsicher, spät verfügbar oder nur begrenzt wirksam, während die Emissionen in der Zwischenzeit weiter wachsen.

Markus Nauser der Fachgruppe Tourismus der Klima-Grosseltern
Nüchtern betrachtet gibt es klimaverträgliches Fliegen nicht – weder heute noch in 20 Jahren. Fliegen ist ein Luxusgut, und wir müssen zurückfinden zur eigentlichen Bedeutung von Luxus: Etwas Kostbares, das man in kleinen Dosen und zu besonderen Gelegenheiten geniesst.
Markus Nauser, Nachhaltigekitsexperte von der Fachgruppe Tourismus der Klima-Grosseltern Schweiz

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