Sustainable Aviation Fuels im Überblick

Was sind Sustainable Aviation Fuels (SAF)?
Grundsätzlich wird zwischen zwei Typen von SAF unterschieden:
- Biogene SAF werden aus Biomasse hergestellt, wobei sowohl pflanzliche Rohstoffe als auch Rest- und Abfallstoffe aus Land- und Forstwirtschaft als Ausgangsmaterial dienen.
- Synthetische SAF – sogenannte e-SAF – werden hingegen aus CO₂ und Wasser gewonnen. Für die Herstellung beider Varianten ist Wasserstoff erforderlich, damit der Treibstoff die Eigenschaften von Kerosin erhält und in Flugzeugtriebwerken genutzt werden kann.
Die Klimawirkung der verschiedenen SAF-Typen hängt stark von der Herkunft und Art der eingesetzten Ausgangsstoffe sowie der verwendeten Energie ab. Die Spannweite bei biogenen SAF geht von einer CO₂-Reduktion von bis zu 80 Prozent bis zu 16 Prozent mehr CO2-Emissionen im Vergleich zu fossilem Kerosin.
Biogene SAF
Wie werden biogene SAF hergestellt?
Biogene SAF werden aus pflanzlichen Rohstoffen oder biogenen Rest- und Abfallstoffen gewonnen. Dazu gehören gebrauchte Speiseöle, tierische Fette, Holz- und Ernterückstände, Klärschlamm oder Energiepflanzen wie Raps, Mais oder Zuckerrohr.
In einem chemischen Prozess werden diese Öle und Biomassebestandteile zu einem flüssigen Treibstoff umgewandelt, der chemisch Kerosin gleicht und deshalb ohne Anpassungen in heutigen Flugzeugen eingesetzt werden kann.
Sind biogene SAF nachhaltig («sustainable»)?
«Nachhaltige» Flugtreibstoffe verdienen diesen Namen nur, wenn der gesamte Produktlebenszyklus (von der Rohstoff- und Energiegewinnung bis in den Flugzeugtank) sich am Prinzip der Erneuerbarkeit orientiert und Kollateralschäden vermeidet. Davon sind wir meilenweit entfernt. Die nachhaltig verfügbaren Rohstoffe für biogene SAF sind begrenzt; ab etwa 2030 dürfte der Bedarf das Angebot übersteigen. Wenn für die Herstellung biogener SAF Wald gerodet wird, verursachen sie 16% mehr CO2 als die fossilen Treibstoffe, die sie ersetzen. Je stärker die Nachfrage nach SAF zunimmt, desto mehr drohen – unter den heutigen Rahmenbedingungen – gravierende ökologische, ökonomische und soziale Sekundäreffekte.

e-SAF
Wie werden e-SAF produziert?
Ausgangsstoffe für die Herstellung von synthetischen Flugtreibstoffen sind Wasserstoff (H2) und CO2. Das CO2 kann der Luft entnommen oder aus Punktquellen (z.B. aus den Abgasen von Verbrennungsprozessen) abgeschieden werden. Für beide Varianten werden grosse Energiemengen benötigt. Daher ist für die Klimabilanz die Art der genutzten Energie entscheidend.
Weltweit sind laut T&E 64 grossangelegte Projekte angekündigt – 26 sollen bis 2030 in Betrieb gehen. Getrieben durch Subventionen und die Beimischpflichten in der EU und den UK entfallen mehr als die Hälfte der angekündigten Produktionskapazität auf europäische Projekte. China folgt auf Platz 2 mit rund 20 % der weltweiten Kapazität. T&E betont jedoch, dass noch zu keinem der europäischen Projekte eine endgültige Investitionsentscheidung getroffen wurde und die Zeitpläne ungewiss bleiben.
Sind e-SAF nachhaltig («sustainable»)?
Theoretisch ja – in der Praxis sind die benötigten Produktionsmengen bis 2050 aber kaum nachhaltig zu produzieren.
Bereits bei der Herstellung von e-SAF gehen rund zwei Drittel der eingesetzten erbeuerbaren elektrischen Energie verloren. Und bei der Verbrennung im Flugzeugtriebwerk werden nur etwa zwischen 30 und 50 % der chemischen Energie zu Schubenergie – der Rest wird Wärme. Rein elektrische Verkehrsmittel wie bspw. Züge nützen diese Energien wesentlich effizienter.
Allein um die täglich vertankten 4 Millionen Liter Kerosin im Flughafen Zürich mit E-SAF zu decken, bräuchte es nach fairunterwegs-Rechnung rund 1400 Windräder in der Schweiz. (Momentan gibt es in der Schweiz 47.) Laut der selben Rechnung müsste fast die ganze Leistung des AKW Gösgens in Anspruch genommen werden, nur um die Flugzeuge in Zürich zu betanken.
Wohl gemerkt betrifft das den heutigen Bedarf. Die Wachstumsprognosen von Boeing und Airbus besagen laut T&E, dass sich der Flugverkehr bis 2050 mehr als verdoppelt:

Das französische Magazin Bonpote hat anhand der Wachstumsprognosen der Branche errechnet , dass zwei Drittel der im Jahr 2024 weltweit produzierten Energie (inkl. aller emissionsbelasteten Quellen) aufgewendet werden müsste, um den Bedarf an E-SAF im Jahr 2050 zu decken.

