
Abseits der Touristenströme: Fünf Wandertipps für den Herbst
Das Tal östlich des Kantonshauptorts Schwyz ist von steilen Berghängen umschlossen. 98 Prozent seiner Fläche bestehen aus Wald, Alpweiden und unproduktiver Naturlandschaft, nur 1 Prozent ist Siedlungsgebiet. Hier geben Natur und Bergwetter noch den Takt vor.
So viel Natur und Freiraum ziehen Touristen in grosser Zahl an, könnte man meinen. Doch die touristischen Exportschlager des Muotatals lassen sich an einer Hand abzählen. Der grösste ist zweifelsohne der Stoos ganz am westlichen Rand des Tals, der mit knapp 685’000 Tagesgästen im Jahr 2025 in einer eigenen Liga spielt. Dahinter werden die Besucherzahlen sogleich deutlich kleiner.
Das Muotatal zeigt, wie viel die Schweiz abseits der grossen Touristenströme zu bieten hat: eine überwältigende Natur- und Bergwelt, stille Wanderwege, wilde Bäche und authentische Begegnungen mit Einheimischen.
Natur erleben abseits der Hotspots
Zu den Natur-Highlights des Muotatals gehört das Urwaldreservat Bödmeren beim Pragelpass. Auf 550 Hektaren – 463 davon geschützt – lässt sich erahnen, wie Wälder früher ausgesehen haben. Der Bödmerenwald liegt auf einer zerklüfteten Karstlandschaft zwischen bizarr geformten Kalkfelsen, die ältesten Bäume sind rund 500 Jahre alt. Mit etwas Glück und viel Ruhe lassen sich neben Farnen, Moosen und Flechten auch Gämsen, Dreizehenspechte, Sperlingskauze und Birkhühner entdecken. Wer mehr über diesen einzigartigen Lebensraum erfahren möchte, startet beim Urwaldpavillon und folgt der Urwaldspur. Der Rundweg mit neun Informationsposten dauert rund eine Stunde (3,7 km, 170 Hm) und darf vom 1. Dezember bis 30. April nicht begangen werden. Der Bödmerenwald ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Am Wochenende führt eine Wanderung von der Postauto-Endhaltestelle Richisau im Klöntal zum Urwaldpavillon. Unter der Woche können spontane Besucher auf der Pragelpassstrasse eines der zwölf offiziellen «Mitfahrbänkli» nutzen.
Das Muotatal, dessen Name sich vom Fluss Muota ableitet, teilt sich nach Muotathal in drei Täler auf. Wandern und Alpinwandern kann man im ganzen Tal und auf vielen der umliegenden Berge. Ein kleiner Wander-Hotspot ist die Glattalp mit dem gleichnamigen See. Von Sahli aus fährt eine kleine Seilbahn auf die Glattalp, von wo sich der See bequem in ein bis zwei Stunden umrunden lässt. Für ein Selfie am Glattalpsee nehmen viele Gäste lange Wartezeiten in Kauf. Wer den Hotspot um den Glattalpsee jedoch meiden möchte, findet mit dem Waldisee eine ruhigere Alternative. Der Weg führt entweder gemütlich über Spitzbäch oder auf einem schmalen Pfad durch den Ruosalper Wald hinauf (Wanderzeit ca. 1h).
Eine weitere, wunderbare Meide-den-Glattalpsee-Wanderung führt von der Glattalp Richtung Norden zum Pfaff (2109 m ü. M.), den man in rund drei Stunden umrunden kann. Der schönste Teil führt zum Riedbödeli und von dort zum Charetalphüttli. Hier ist der Himmel weit, die Landschaft karg, die Ruhe tief und man vergisst für einen Moment die andere, die laute Welt in der Ferne.
Wer von der einzigartigen Landschaftsform der Karrenfelder nicht genug bekommt, unternimmt vom Pragelpass aus eine Rundwanderung durch die Silberen. Die «Karstspur Silberen» (SchweizMobil-Route 832) ist 14 Kilometer lang und erfordert mit je 1050 Metern Auf- und Abstieg etwas Kondition.
Der letzte Wandertipp führt durch das allerruhigste der ruhigen Seitentäler des Muotatals. Die Etappe der ViaSuworow (SchweizMobil-Route 55) führt vom Urner Schächental über den Kinzigpass durch das Hürital nach Muotathal und ermöglicht traumhafte Rundblicke über die Gipfel der Urner, Schwyzer und Glarner Alpen.
Vielleicht liegt ein Teil der Lösung für den Overtourism darin, unsere Vorstellung vom perfekten Ausflug zu überdenken. Statt immer denselben Hotspots nachzujagen, können wir neue Wege einschlagen und damit auch weniger besuchte Regionen entdecken. Das Muotatal ist der perfekte Ort für Tourist:innen, die Ruhe, einzigartige Natur- und Berglandschaften und touristische Dienstleistungen suchen, die noch authentisch von Einheimischen angeboten werden.
Wer weitere solche Orte entdecken möchte, findet bei den Naturfreunden Schweiz Inspiration für Wanderungen, Ausflüge und Naturerlebnisse abseits der bekannten Pfade.
Glattalpsee (Naturfreunde Schweiz)
Bödmerenwald (Naturfreunde Schweiz)
Waldisee (Naturfreunde Schweiz)
Pfaff (Naturfreunde Schweiz)






